Es ist 2020 und ich starte einen Blog mit dem Versprechen „Besser Schreiben. Klar Denken“. Warum? Weil Schreiben eine der wichtigsten Fähigkeiten ist, die du erlernen kannst. Du denkst, du hast Schreiben in der Schule gelernt? Nein. Du hast Grammatik, Buchstaben und Satzbau gelernt. Ich will dir beibringen besser zu schreiben.

Aber warum überhaupt schreiben?

WISSEN GEHÖRT AUF PAPIER

Du musst Wissen aufbauen. Wir leben nicht in der Matrix. Es gibt kein „Jetzt herunterladen!“. Keine Abkürzung. Ein gut aufbereitetes Video auf YouTube kann in Zehn Minuten das Gefühl vermitteln ein Thema zu verstehen. Suchbegriff eingeben, Zehn Minuten anschauen und du kennst dich aus.

Wie viele Videos auf YouTube hast du in den letzten vier Wochen geschaut? Bei welchen kannst du noch den Inhalt wiedergeben? Du wirst täglichen mit Reizen und Informationen überflutet. Der schnellste und einfachste Weg damit du Informationen behältst ist Schreiben. Setze dich durch Worte mit dem Thema auseinander.

So wiederholst du die Informationen, die für dich relevant sind. Schreiben zwingt dich zur Auseinandersetzung. Deine Wörter, Notizen und Fragen machen aus dem Konsum eine Interaktion.

Das Gleiche gilt für Gedanken die durch Gespräche entstehen oder dir in der Dusche einfallen. Deine Notizen verwalten dein Wissen für dich. Du kannst zu diesen Informationen zurückkehren, wann du möchtest. Dein Wissen wächst. Ohne Notizen kann kein Wachstum stattfinden.

Die Alternative dazu? Die Eine-Million-Euro-Idee die du letztes Jahr in der Dusche hattest. Was ist daraus geworden? Du hast nur darüber nachgedacht. Keine Notizen. Kein Wissen festgehalten. Bis die Idee verblasst ist.

NICHT ORIGINELL, SONDERN EINZIGARTIG

Mit über Sieben Milliarden Menschen auf diesem Planeten und mehreren tausend Jahren Menschheitsgeschichte wurde bereits viel gesagt und geschrieben. Soviel, dass die Worte von 2.000 Jahre alten Philosophien weiterhin Bestand haben.

Zum Glück ist Originalität überbewertet. Beim Schreiben wie bei anderen kreativen Tätigkeiten geht es um deine Interpretation. Deine Sichtweise lässt dich Informationen kombinieren, die nur du hast. Es geht um deinen persönlichen „Remix“.

Die Idee für deinen Blogartikel muss nicht originell sein. Der Blogartikel wird aber originell sein wenn er von dir kommt. Nimm dir ein Thema und fang an. 80 % der Ideen kommen dir ohnehin erst beim Schreiben. Je öfter du schreibst, desto mehr Ideen wirst du haben.

THERAPIE IM TASCHENFORMAT

Gesundheit, sozialer Kontakt oder finanzielle Sicherheit sind Grundbedürfnisse. Sehen wir diese gefährdet entstehen Sorgen. Angst um die Gesundheit eines Verwandten. Ungewissheit über den Job. Wir projizieren unsere Ängste in die Zukunft. Dieser Nebel im Kopf führt zu Schlaflosigkeit, lenkt dich von der Gegenwart ab und schränkt dein Leben ein. Wenn du im Job Angst vor finanzieller Sicherheit hast, wieso solltest du dich selbstständig machen?

Schreiben kann keine Psychotherapie ersetzen. Es kann aber helfen. Sorgen auf Papier zu bringen macht diese greifbar. Aus dem Nebel im Kopf wird etwas Physisches. Es ist besser seine Ängste und Sorgen konkret zu kennen. Auf dem Papier kannst du von Sorgen Abstand gewinnen und diese objektiv betrachten.

In deinem Tagebuch kannst du dich selbst kennenlernen. Wie vor einem Spiegel reflektieren die Worte deine Gedanken. Die Wahrnehmung der Gedanken ändert sich nur durch das Festhalten in Wörtern.

Diese Reflexion führt zu einer verbesserten mentalen Gesundheit und Resilienz. Du wirst dein Leben mehr zu schätzen wissen, wenn du es durch diese Brille siehst. Dankbarkeit ist einer der häufigsten positiven Effekte beim Verfassen eines Tagebuchs.

SCHREIBEN IST AUFMERKSAMKEIT

Denken ist genau genommen ziemlich ungenau. Das merkst du aber erst, wenn du versuchst die Gedanken in Schrift und Sprache festzuhalten. Denken ist anders als Schreiben. Stift und Tastatur arbeiten Buchstabe für Buchstabe. Egal wie viele Gedanken sich scheinbar gleichzeitig in unserem Kopf bewegen. Sehen wir die Wörter vor uns, werden die Gedanken klarer.

Aufmerksam erschaffst du jedes Wort und jeden Satz. Mit deinen Händen als Werkzeug und deinem Kopf als Taktgeber. Deine Ohren hören das Kratzen des Stifts auf Papier oder das Klicken der Tastatur. Und deine Augen sehen was vorher der Kopf gedacht hat. Die Ausgabe wird zur Eingabe. Wie bei einem Brotteig kneten wir den Gedanken komplett durch und nehmen ihn mit allen Sinnen wahr.

Wichtige Themen sind dadurch länger und häufiger in unserem Fokus. Niemand der jeden Morgen über seine Ziele und Werte schreibt wird diese bis zum Abend vergessen haben.

Schreiben erlaubt dir deinen Fokus gezielt einzusetzen. Entscheidungen und Problemlösungen kannst du intensiv betrachten.

DU TRÄGST EIN BUCH IN DIR

Geschichten gehören zur Menschheit wie Feuer und Landwirtschaft. Wir lauschen und erzählen gerne. Selbst dieser Artikel hat einen Helden: Das Schreiben. Als Autor kannst du deine eigene Geschichte erzählen. Als Leser kannst du ihr zuhören und sie verstehen.

Wenn du dein Leben aufschreibst, kannst du Ereignisse mehrmals durchleben, reflektieren und teilen. Außerdem übernimmst du Verantwortung für dein Handeln.

Du wirst der Autor deines Lebens. Vom passiven Mitfahrer zum aktiven Gestalter. Durch Reflexion und Klarheit bestimmst du dein zukünftiges Leben. Was du aufschreibst, wird Teil deines Fokus und deiner Realität

Deine Welt aus Gedanken, Werten und Ideen wird vermittelbar. Das ist der Reiz des Schreibens. Egal wer und wo du bist. Du kannst deine Welt teilen.

KOMMUNIKATION BRAUCHT TEXT

Mit dem Schulbeginn wirst du zum ersten Mal für das Schreiben bewertet. Anfangs für Grundlagen wie Buchstaben und Schrift. Später für Grammatik und Satzbau. Dann folgen Aufsätze und Interpretationen.

In der akademischen Laufbahn geht es um wissenschaftliche Arbeit. In Unternehmen bewerten dich Vorgesetzte auf Basis deiner Präsentationen, E-Mails oder Dokumente. Auch der selbständige Handwerker und Bäcker in Familienbesitz muss schreiben. Werbung auf der Webseite. Antworten auf Reviews bei Google. Interviews für die Lokalzeitung.

Beim Schreiben sind Prozess und Ergebnis eng miteinander verbunden. Gute Notizen führen zu einer guten Präsentation. Klare Strukturen zu guten wissenschaftlichen Arbeiten. Attraktive Texte zu mehr Kunden. Selbst wenn das Endergebnis ohne Text ist. Reden und Videos sind ebenso auf vorbereitende Texte angewiesen.

Die Dominanz digitaler Werkzeuge verstärkt diese Notwendigkeit weiter. Zusammenarbeit bedeutet heute texten. Egal ob im Chat, per E-Mail oder gemeinsam im gleichen Dokument. Selbst wer sich im Meeting einigt. Das Endergebnis gibt es schriftlich in der Zusammenfassung.

ÖFFENTLICHES FEEDBACK

Wenn du öffentlich schreibst, lernst du auch öffentlich. Das bedeutet Feedback für deine Arbeit. Kritik kann hart sein, aber sie macht dich, deinen Text und dein Angebot besser. Öffentlich zu lernen ist mehr als nur ein Vorteil. Es ist der beste Wege persönlich zu wachsen.

Dazu gehört Mut. Wer öffentlich lernt und schreibt, muss sich Fehler eingestehen. Bei einem Videospiel erwartest du aber auch nicht auf Level 50 zu starten. Du startest bei Level 1. Es mag unterschiedlich schnell nach oben gehen, aber du musst am Anfang starten.

KLAR DENKEN

Wer schreibt, denkt. Wer besser schreibt, denkt klar. Es gibt einen unverkennbaren Zusammenhang zwischen großartigen Denkern der letzten Jahrtausende und ihren Fähigkeiten beim Schreiben. Von Plato über Hesse bis Harari. Schreiben und Denken sind essenzielle und grundlegende Fähigkeiten. Je besser du darin wirst, desto besser werden auch all deine anderen Fähigkeiten.